Hardshelljacke – Wasserdicht und atmungsaktiv

Sie möchte eine Hardshelljacke kaufen, haben aber keine Ahnung, welches Material, welcher Hersteller und welches Modell für Sie am besten geeignet wäre? Oder sind Sie noch unschlüssig, ob Sie überhaupt eine Hardshelljacke oder Hardshellhose benötigen. Bei uns sind Sie genau richtig, denn wir sagen Ihnen, wann Sie besser eine Softshelljacke kaufen würden und geben Ihnen wichtige Tipps für den Kauf einer Hardshelljacke.

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Kaufberatung für Hardshelljacken

Bevor wir uns mit der Hardshelljacke näher beschäftigen, sollten wir aber klären, ob Sie überhaupt eine Hardshell brauchen. Vielleicht ist eine Softshelljacke für Sie viel besser. Wir können die Frage aber sehr leicht auf den Punkt bringen:

Brauchen Sie eine wasserdichte Hardshelljacke oder genügt es Ihnen, wenn die Jacke wasserabweisend ist?

Wenn Wasserdichtigkeit für Sie unverzichtbar ist, brauchen Sie eine Hardshelljacke. Wenn Sie aber auch schon mit einer wasserabweisenden Wirkung, die bei einem kleinen Schauer völlig ausreicht, auskommen, empfehlen wir Ihnen eine Softshelljacke.

Materialratgeber für Hardshelljacken

Membran oder Beschichtung bei Hardshelljacken?

So einfach wie diese Frage klingt ist sie nicht, denn es gibt verschiedene Membrane (z.B. hydrophile und mikroporöse) und Beschichtungen. Grob lässt sich der Markt unterteilen in moderne Hardshell-Materialien, die (ausschließlich) auf einer PU-Beschichtung oder einer Membran basieren. Wichtig: Mit beiden Varianten ist es möglich, wasserdichte und atmungsaktive Jacken und Regenhosen herzustellen. Aber es gibt wichtige Unterschiede:

 

PU-Beschichtungen

  • PU-Beschichtung ist die oberste Schicht
  • PU-Beschichtung ist nicht besonders abriebfest: Nicht für Rucksäcke geeignet!
  • In der Regel deutlich günstiger als Hardshells mit Membran
  • Atmungsaktivität erreicht nicht die Top-Werte der Hardshells mit Membran
  • Als einfache Regenjacke mit Atmungsaktivität gut geeignet
Bekannte Funktionsmaterialien mit PU-Beschichtungen


 

Membran

  • Membran befindet sich unter der Außenschicht und über dem Innenfutter
  • 3-lagige Konstruktionen sind sehr robust
  • Sehr hohe Atmungsaktivität möglich
  • Atmungsaktivität passt sich an die Schweißproduktion an (bis zum Maximalwert)
  • Unterschiedliche Qualitäten und Preisklassen
Bekannte Funktionsmaterialien als Membran
  • Gore-Tex (W. L. Gore & Associates)
  • Dermizax (Bergans)


Wassersäule: Was sagt der Wert bei einer Regenjacke aus?

„Wasserdicht“ ist ein relativer Begriff, denn die Frage lautet immer: Wie viel Wasserdruck ist nötig, damit Wasser durch das Material dringt. Die Wassersäule ist ein Maß für den Wasserdruck. Je höher der Wert ist, desto besser ist die Wasserdichtigkeit. Auf dem Markt sind Materialien mit Werten zwischen 5.000 und 55.000 mmWS. Die gängigen Klimastoffe liegen bei Werten zwischen 15.000 und 30.000 mmWS. Für den Großstadtalltag reichen 5.000 mmWS theoretisch schon aus. Bei größerer Beanspruchung sollte der Wert aber deutlich höher sein.

Warum betonen viele Anbieter, dass eine Hardshelljacke rucksacktauglich sei?

Eine Hardshelljacke ist relativ dünn. Das ist aber kein Problem, solange die Jacke keinen besonderen Belastungen ausgesetzt wird. Ein leichter Rucksack (Daypack) ist für die meisten Hardshells, zumindest bei sporadischer Nutzung, relativ unproblematisch. Aber je schwerer der Rucksack wird und je öfter Sie den Rucksack tragen, desto größer wird die Belastung im Schulterbereich.

Eine einfache Regel: Wenn der Rucksack einen Hüftgurt hat, muss die Jacke unbedingt rucksacktauglich sein. Bei Gore-Tex bedeutet dies beispielsweise, dass die Jacke aus 3 Lagen bestehen sollte (Gore-Tex Pro). Einige Hersteller verstärken die Schulterpartien speziell für Rucksackträger. Wenn die Jacke nicht rucksacktauglich ist, dauert es meist nicht lange, bis die Jacke im Schulterbereich wasserdurchlässig wird.

Welche Materialien sind besonders robust und abriebfest?

Die Robustheit eines Materials ist immer dann ein Thema, wenn die Kleidung nicht nur dem Wetter, sondern auch anderen Belastungen ausgesetzt wird. Ein Jäger oder Naturfotograf, der durch das Unterholz kriecht, braucht ein Material, das nicht gleich bei der ersten Berührung mit dem Boden oder einem Baum in Fetzen reißt.

Grundsätzlich gilt: Je dicker das Material ist, desto robuster ist es. Eine 3-lagige Hardshell ist deswegen robuster als eine 2-lagige Hardshell. Alle modernen Funktionsmaterialien erzielen bei der Abriebfestigkeit keine optimalen Werte. Wenn Robustheit das alles entscheidende Kriterium ist und Sie auf Wasserdichtigkeit verzichten können, sollten Sie deswegen eventuell einen anderen Stoff in Erwägung ziehen, z.B. ein Baumwoll-Mischgewebe.

Muss es unbedingt eine Jacke aus Gore-Tex sein oder geht auch ein anderes Funktionsmaterial?

Hardshelljacke Funktionsmaterial Gore-Tex Pro

Funktionsmaterial Gore-Tex Pro

Gore-Tex ist der Marktführer, aber es gibt viele andere gute Funktionsmaterialien auf dem Markt. Zudem gibt es von Gore-Tex mittlerweile viele verschiedene Materialvarianten. Preislich ist Gore-Tex weit oben im Vergleich zu finden. Für den harten Expeditionseinsatz sollten Sie keine Kompromisse beim Material eingehen. Wenn Sie aber eine Funktionsjacke für Wanderungen oder den Großstadtalltag suchen, können Sie viel Geld sparen, wenn Sie sich für einen anderen Klimastoff entscheiden. Zudem gibt es mit eVent mindestens eine Membran, die eine bessere Atmungsaktivität als Gore-Tex aufweist, dafür aber nicht ganz so abriebfest ist. Es gibt gute Alternativen zu Gore-Tex und, je nach Anforderung, auch bessere Materialen. Deswegen ist es immer sinnvoll, zunächst den Einsatzzweck zu definieren, um dann auf dieser Basis die passende Jacke zu suchen.

Woran erkenne ich, ob Hardshelljacken hochwertig sind?

Auf dem Hardshell-Markt gibt es eine einfache Regel: Preis und Qualität sind eng miteinander verbunden. Die besten Materialien sind in der Regel auch die teuersten. Es gibt allerdings gelegentlich Ausnahmen. Zudem sollten Sie nicht vergessen, dass die beste und teuerste Jacke auf dem Markt vielleicht gar nicht für Sie die beste Jacke ist. Wenn Sie beispielsweise eine sommerliche Wanderung im Gebirge machen, ist das Gewicht der wesentliche Faktor bei der Wahl der Jacke und nicht die Robustheit. Kaufen Sie nie blind die teuerste Hardshell, sondern überlegen Sie sich immer ganz genau, welches Material bzw. welche Jacke für Ihre individuellen Ansprüche die idealen Eigenschaften hat.

Eine Hardshelljacke ohne Kaputze ist wie ein Haus ohne Dach

Brauche ich unbedingt eine Kapuze?

Gehören Sie zu den besonders coolen Menschen, die auch bei heftigem Regen auf eine Kapuze verzichten, weil eine Kapuze uncool aussieht? Dann können Sie auch eine Hardshell ohne Kapuze kaufen. Für alle anderen gilt: Eine Hardshell ohne Kapuze ist ungefähr so sinnvoll wie ein Haus ohne Dach. Wenn es regnet, hat die Kapuze nicht nur den Zweck, den Kopf vor Regen zu schützen. Die Kapuze schließt auch den Halsbereich der Jacke. Wenn Sie ohne Kapuze durch den Regen laufen, werden Sie sehr schnell merken, dass das Wasser durch die Halsöffnung gelangt und am Ende sind sie so nass, dass Sie auch gleich ganz auf eine Hardshell hätten verzichten können.

Was macht eine gute Kapuze aus?

Die Kapuze sollte den gesamte Kopf bedecken, gleichzeitig aber das Sichtfeld nicht beeinträchtigen. Gute Hardshell-Jacken haben einstellbare Kapuzen, die mit wenigen Handgriffen an den Kopf des Trägers angepasst werden kann. Die Kapuze sollte auch mit Mütze / Helm passen. Wichtig ist, dass Sie in der Bewegung ein freies Sichtfeld haben. Wenn die Kapuze sich ständig bewegt, ist das sehr unangenehm in der Praxis. Zudem sollte der vordere Halsbereich mit einer hohen Abdeckung verschließbar sein, damit Sie die Kapuze so einstellen können, dass am Ende nur noch ihr Gesicht zu sehen ist.

Anpassbarkeit der Kapuze -  Vorne

Anpassbarkeit der Kapuze – Vorne

Anpassbarkeit der Kapuze -  Hinten

Anpassbarkeit der Kapuze – Hinten

Anpassbarkeit der Kapuze -  Schild

Anpassbarkeit der Kapuze – Schild

Wichtig: Wenn Sie einen Helm tragen möchten oder müssen, brauchen Sie eine Hardshelljacke mit helmtauglicher Kapuze. In jedem Fall sollten Sie die Jacke mit Ihrem Helm testen.

 

 

Sollte die Kapuze abnehmbar oder einrollbar sein?

Einige Hersteller haben Hardshell-Jacken mit abnehmbarer oder einrollbarer Kapuze im Sortiment. Beide Lösungen haben Nachteile. Bei einer abnehmbaren Kapuze gibt es durch die Verbindung von Jacke und Kapuze eine zusätzliche potenzielle Schwachstelle. Zudem müssen Sie bei einem Regenschauer die Jacke ausziehen, um die Kapuze anzubringen, oder aber einen Begleiter bieten, die Kapuze anzubringen. Zudem wären Sie nicht der Erste, der seine abnehmbare Kapuze zuhause vergisst und dies erst beim ersten Regenschauer bemerkt.

Einrollbare Kapuzen gibt es vor allem bei preiswerten Regenjacken. Diese Kapuzen sind meist deutlich dünner als die restliche Regenjacke und bieten deswegen keinen optimalen Schutz. Für einen Notfall-Regenjacke beim Wandern ist das kein Problem, aber bei längeren Touren oder bei stundenlangem Regen brauchen Sie eine Kapuze, die optimal funktioniert.

Nach dem Kauf die Hardshelljacke ausgiebig testen und anprobieren

Wenn Sie eine Jacke im Internet bestellt haben, müssen Sie die Jacke zuhause anprobieren. Zunächst sollte Sie testen, ob die Größe passt. Wenn Sie schon beim Anziehen merken, dass die Jacke viel zu klein oder viel zu groß ist, sollten Sie die Jacke gleich wieder einpacken und die Ware zurücksenden. Wenn die Jacke aber gleich gut passt, sollten Sie nicht gleich das Preisschild abreißen, sondern die Prüfung fortsetzen. Zunächst sollten Sie sich gut überlegen, was die richtige Größe ist. Wenn Sie die Hardshell auch bei winterlichen Temperaturen tragen wollen, müssen Sie Platz für eine dicke Isolationsschicht unter der Jacke haben. Ziehen Sie beim Anprobieren deswegen immer die maximale Unterkleidung an, die Sie mit der Hardshell-Jacke irgendwann einmal nutzen möchten.

Der Sitz der Hardshelljacke ist wichtig

Kontrollieren Sie den Sitz der Jacke, indem Sie sich vor einen Spiegel stellen und sich von vorne und seitlich betrachten. Bitten Sie Ihren Partner oder einen Freund, den Sitz der Jacke von allen Seiten zu beurteilen. Testen Sie den Sitz der Kapuze im geschlossenen Zustand und überprüfen Sie, ob die Kapuze auch mit einem Schal oder einem Schlauchtuch kombinierbar ist.

Die Bewegungsfreiheit der Hardshelljacke prüfen

Bewegen Sie sich in der Jacke und prüfen Sie dabei, ob Sie irgendwie eingeschränkt sind. Berücksichtigen Sie dabei den Einsatzzweck. Wenn Sie eine Hardshell-Jacke für Fahrradtouren benötigen, ist die Bewegungsfreiheit nicht so wichtig wie enger Sitz. Bei Klettertouren brauchen Sie hingegen die maximale Bewegungsfreiheit.

Die Reißverschlüsse der Jacke prüfen

Reißverschluss prüfen

Reißverschluss prüfen

Bewegen Sie alle Reißverschlüsse und prüfen Sie, ob die Funktionalität einwandfrei ist. Wenn Sie eine Winterjacke kaufen, sollten Sie Handschuhe anziehen und testen, ob die Reißverschlüsse auch dann noch gut bedienbar sind. Wasserdichte Reißverschlüsse sind meist etwas schwergängig, aber in der Regel werden wasserabweisende Reißverschlüsse in Kombination mit Abdeckungen bei Hardshells eingesetzt. Wenn ein Reißverschluss ohne Abdeckung vorhanden ist, sollten Sie sich immer informieren, ob es sich um wasserdichtes Modell handelt, denn ansonsten können Sie bei einem heftigen Regenschauer unter Umständen eine sehr unschöne Überraschung erleben.

Die Nähte der Hardshell testen

Nähte prüfen

Nähte prüfen

Bei allen Hardshells sind die Nähte potenzielle Schwachpunkte. Es gibt unterschiedliche Versiegelungstechniken, mit denen die Nähte wasserdicht gemacht werden können. Bei den teuersten Jacken auf dem Markt werden die Nähte in der Regel geklebt. Das ist die sicherste Methode, denn es entsteht eine lückenlose Verbindung.

Passt der Rucksack zur Jacke?

Wenn Sie einen Rucksack verwenden möchten, sollten Sie die Jacke auch mit gefülltem Rucksack testen. Sitzen die Rucksackriemen an einer günstigen Stelle? Werden Taschen verdeckt? Wie fühlt sich die Jacke mit Rucksack an?

Spielt die Farbe eine Rolle?

Die Farbe der Jacke spielt bei den meisten Outdoor-Aktivitäten keine Rolle. Deswegen sollten Sie sich von Ihrem ganz persönlichen Geschmack leiten lassen. Wenn Sie auf expeditionsähnliche Touren gehen oder auf ihren Wanderungen im Gebirgen im Notfall darauf angewiesen sind, aus der Luft erkannt zu werden, sollten Sie eine Jacke in einer Farbe wählen, die sich deutlich vom natürlichen Hintergrund abhebt. Bei manchen Outdoor-Aktivitäten ist aber genau das Gegenteil gefragt. Wenn Sie nicht gesehen werden wollen, z.B. bei Tierbeobachtungen, sollten Sie Kleidung tragen, die sie farblich mit dem Hintergrund verschmelzen lässt.
Tipp: Hardshell-Jacken in Grün, Braun oder auch in Tarnfarben werden vor allem von Jagdausrüstern und Military-Shops verkauft, selten in klassischen Outdoor-Geschäften.

Passt die Farbe?

Die Farbe im Katalog bzw. im Online-Shop ist immer nur eine ungenaue Wiedergabe der Realität. Gefällt Ihnen die Farbe Ihrer Jacke? Kombinieren Sie die Jacke mit den Kleidungsstücken, die sie bereits besitzen und schauen Sie sich genau an, ob die Farben zueinander passen.

Ganz am Schluss können Sie dann ausprobieren, ob die Hardshelljacke auch mit wenig / mehr Unterkleidung die Anforderungen erfüllt.